Inspiration und neuer Schwung für die Aufgaben

Vom Mentoring profitieren alle: Mitarbeiter erfahren Wertschätzung, Unternehmen und Institutionen gelingt es, firmeninternes Wissen weiterzugeben. Mentoring-Expertin Gabriele Hoffmeister-Schönfelder im Gespräch über sinnvolle Personalentwicklung.

Frau Hoffmeister-Schönfelder, der Begriff Mentoring dürfte zwar den meisten Erwachsenen in Deutschland bekannt sein, aber nicht wirklich geläufig. Worum geht es dabei?
Gabriele Hoffmeister-Schönfelder:
Im Grunde geht es um den Rat einer erfahrenen Person. Es gibt eine Vielzahl von Mentoring-Programmen im schulischen, universitären oder eben vor allem auch im beruflichen Umfeld. Für mich ist Mentoring ein strukturierter Prozess mit sinnvollen Instrumenten zur Personalentwicklung. Es gibt einen Plan, der Ziele genau festgelegt. Und Mentoring ist ein Erfolgsfaktor, um vor allem Know-how-basierte Unternehmen zukunftsfähig zu erhalten - in jeder Branche.

Der Name stammt aus der griechischen Sagenwelt. Odysseus wollte seinen Sohn während seiner Abwesenheit in guten Händen wissen...
Gabriele Hoffmeister-Schönfelder:
Ja, als Odysseus in den trojanischen Krieg aufbricht, beauftragt er seinen Freund Mentor, für seinen Sohn Telemachos zu sorgen. Mentor erweist sich als vertrauensvoller Ratgeber in schwierigen Situationen. Er ist zum Sinnbild des Mentoring-Prinzips geworden: Eine erfahrene Person (Mentor) gibt ihr fachliches Wissen an eine weniger erfahrene Person (Mentee) weiter. Es sind in Regel erfolgreiche Führungskräfte, die ihr Know-how teilen. So bleibt firmeninternes Wissen erhalten.

Was begeistert Sie nach mehr als 20 Jahren in diesem Metier?
Gabriele Hoffmeister-Schönfelder:
Dass wir es schaffen, Menschen zum Sprechen zusammenzubringen. Und zwar „die richtigen”, damit am Ende eines Mentoring-Prozess der gewünschte Erfolg steht. Mich begeistert es immer wieder, wenn junge Führungskräfte ihren eigenen Weg gehen, aber unterstützt werden von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Wobei Unterstützung so brav klingt - oft werden sie inspiriert, nehmen neuen Schwung mit. Das ist aber so gut wie nie ein einseitiges Geben, denn auch wer Rat gibt, profitiert von der Reflexion der eigenen Herangehensweise. Die Vielfalt der Themen, die vertrauensvolle Offenheit und die Intensität der Begegnungen begeistern mich nach mehr als 20 Jahren Berufserfahrung auf diesem Gebiet. Hinzu kommt nicht zuletzt die Wertschätzung, die beide Teile des Mentoring-Tandems erfahren.

Wovon wiederum das Unternehmen oder eine Institution als Arbeitgeber profitiert, denn Wertschätzung ist eine wichtige Währung im Wettbewerb um gute Köpfe. Aber zurück zum Prozess. Wie beschreiben Sie den?
Gabriele Hoffmeister-Schönfelder:
Der Mentoring-Prozess wird individuell auf die jeweilige Situation abgestimmt. Es ist von zentraler Bedeutung, Zielgruppe und Ziele sorgfältig festzulegen, am besten auch den Zeitraum. Bei den Inhalten des Mentorings geht es um die jeweiligen Bedürfnisse: mal stehen Strategien zur Karriereplanung im Fokus, mal der Austausch von informellem Wissen oder die Weiterentwicklung personaler Kompetenzen, zum Beispiel durch Potenzialanalyse.

Welche Voraussetzungen sind erforderlich? Kann Mentoring in jedem Unternehmen oder Institution angeboten werden?
Gabriele Hoffmeister-Schönfelder:
Grundsätzlich ja. Es hat sich bewährt, dass Mentoring Teil der Organisationsstrategie ist. Die Leitungsebene muss überzeugt sein und unterstützen, denn es braucht finanzielle und personelle Ressourcen

kontor5 bietet seit 1999 Dienstleistungen im Bereich Personalentwicklung an. Die geschäftsführende Inhaberin Gabriele Hoffmeister-Schönfelder hat vor rund 20 Jahren das System Cross-Mentoring in Deutschland mitbegründet. Als Antwort auf den Wandel gesellschaftlicher Strukturen entwickelte sie außerdem das Prinzip Generationen-Mentoring und beteiligte sich an der Entwicklung des MENtorings für Väter in Führungspositionen. 2012 hat kontor5 gemeinsam mit anderen Unternehmen die Deutsche Gesellschaft für Mentoring ins Leben gerufen, Gabriele Hoffmeister-Schönfelder ist erste Vorsitzende.


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